Die Astor-Story

Shownotes

Ein Metzgerssohn aus Walldorf wird in den USA zum reichsten Menschen seiner Zeit: John Jacob Astor. In dieser Folge von WiWo History geht es um den „Napoleon des Handels“ – und die Frage, wie in der jungen amerikanischen Republik aus armen Einwanderern erfolgreiche Unternehmer werden. Wie sie mit ihrem Geschäftssinn ein riesiges Vermögen anhäufen. Wir verfolgen Astors Weg vom Instrumentenhandel in London über das große Geschäft mit Pelzen bis zu den extrem lukrativen Seereisen nach China – inklusive einer listigen Trickserei, die sogar Präsident Thomas Jefferson beschäftigt. Und erzählen, warum Astors Name später nicht nur für Luxus steht, sondern auch für ein ziemlich düsteres Image: als harter, geiziger Strippenzieher, der Charles Dickens zu seiner Figur „Scrooge“ inspiriert haben soll.

An dieser Folge haben mitgearbeitet: Recherche: Dominik Reintjes Skript und Moderation: Anna Hönscheid, Dominik Reintjes Sounddesign: Florian Pape Musik: Christian Heinemann Sprecher: Thomas Balou Martin Weitere Stimmen: Jonah Bastian, Lea Bastian, Stefanie Brinkmann, Jana Castor, Leonard Dumke, Alexander Möthe, Juliane Reyes Nova, Miryam Schkljar, Timm Seckel, Philip Wälter, Dominik Zubel


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Transkript anzeigen

00:00:04: New York City, einandreißigste Oktober, nineteenhundertdreiund dreißig.

00:00:10: In der Three-O-One Park Avenue in Manhattan findet an diesem Halloweenabend eine Schnitzeljagd der ganz besonderen Artstadt.

00:00:20: ausgetragen wird sie im Waldorf Astoria.

00:00:24: das vor zwei Jahren eröffnete Hotel in dem gut einhundertneunzig Meter hohen Wolkenkratzer ist das luxuriöseste der Stadt Vielleicht sogar der Welt.

00:00:35: Im East-Foyer, gleich mit dem großen Ballsaal, finden sich rund zweihundert Gäste aus der New Yorker High Society in Kleingruppen zusammen.

00:00:46: In versiegelten Briefumschlägen erhalten sie eine Liste bizarrer Dinge wie Sie im kommenden ein paar halb Stunden aufspüren sollen.

00:00:56: Darunter eine rennende rote Laterne

00:00:59: Eine

00:01:00: unbenutzte ausländische Briefmarke und ein H. Aus dem Schnurbert von Kermit Roosevelt, dem Sohn des ehemaligen Präsidenten.

00:01:10: Außerdem eine Schildkröte, eine Ziege und einen Affen.

00:01:14: Ledend versteht sich der Startschussfeld!

00:01:19: Und schon hasstet die erste Gruppe hinaus in die New Yorker rein den Siegern-Wingten Geldpreise und zwei Kisten Champagner.

00:01:28: als das Erstepaar Zwei Männer, der Apaklas zurückkehrt haben sie tatsächlich eine weiße Ziege samt Hirten im Schlepptau.

00:01:37: Auch eine rote Laterne tragen sich hinein und dann zieht einer der Männer eine lebende Schildkritte aus seiner Tasche.

00:01:45: Die Story schafft es zwei Wochen später ins Time-Magasin.

00:01:53: Ja!

00:01:53: Und das ist nur eine von unzähligen lingen deren Partys die reichen unschön von New York hier feiern.

00:02:00: Ja, und da geht schon einiges ab.

00:02:03: Deinem ersten April in Paris Ball läuft ein echter Elefant durch den Saal um noch ein bisschen Name-Jopping zu machen.

00:02:11: In diesem legendären Hotel steigen damals wirklich alle Pommis ab Grace Kelly und Marilyn Monroe Elizabeth Taylor und Frank Sinatra Albert Einstein und Chuck Berry

00:02:21: Und auch Staatsmänner wie Winston Churchill etliche Präsidenten der USA Die Queen, Pups Paul der Sechste.

00:02:27: Der Dalai Lama also echt eine Menge Leute.

00:02:30: IBM präsentiert hier übrigens in den Einen Achtzig auch den ersten Personal Computer.

00:02:35: Also super viele große Namen Super viel Luxus

00:02:38: Ja und all das hätte es ohne einen Metzgers Sohn aus dem badischen Städtchen Waldorf In der Form gar nicht gegeben.

00:02:45: Johann

00:02:45: Jakob Astor Mit nur sechzehn Jahren wanderte über London in die USA Aus Und macht dort mit Instrumenten Pelzen und Immobilien ein riesiges Vermögen Mit sehr guten Kontakten zu Präsidenten und Geschäftsleuten, auch mit windigen Geschäftspraktiken.

00:03:15: Und natürlich Glück begründet Johann Jakob die Familiendynastide Estas!

00:03:20: Und damit ermöglicht er sein Nachfahren dem Bau des ersten Wall of Astoria Hotels.

00:03:25: Das bis zu neunzehn-neuenzwanzig übrigens dort stand, wo heute das Empire State Building im Porakt – also der Vorgänger des Walls of Astaria Hotels über das wir vorhin sprachen!

00:03:34: Wir fragen uns heute was war der sogenannte Napoleon des Handels für einen Mensch?

00:03:40: und natürlich wie wurde er zum reichsten Mann seiner Zeit?

00:03:43: Mein Name ist Dominik Reinkjes

00:03:44: und ich bin Anna Hönscheid.

00:03:46: Herzlich willkommen zur Vivohistory.

00:03:47: Pioniere der Weltwirtschaft.

00:04:12: Also Anna, wenn du mir jetzt sagen würdest dass du schon mal in dem World of Astoria Hotel geschlafen hättest dann wär ich wirklich neidisch.

00:04:18: Wie sieht's denn aus?

00:04:19: Ne schön wäre es leider nein.

00:04:21: Ich habe es aber immerhin mal in die Lobby vom Adlon geschafft und du?

00:04:25: Das ist bestimmt auch eine spannende Story!

00:04:26: Ich kann da selbst gar nicht mithalten.

00:04:28: also vor zwei Monaten für eine Dienstreise im Berlin war hab ich mir mal ehrlicherweise den Scherz erlaubt nach den Preisen im World of Australia zu schauen diesem Turm der deiner Nähe vom Zoo steht.

00:04:38: preislich ein bisschen außerhalb unserer Reisekostenrichtlinie.

00:04:41: Ja, so ein kleines bisschen!

00:04:43: Die Nacht ging dabei rund dreihundert Euro los?

00:04:44: Ich hätte ehrlicherweise mit noch ein bisschen mehr gerechnet.

00:04:47: für die Astor Suite, die es übrigens dort auch gibt war zehnmal so vielfällig.

00:04:50: und im World of Astoria in New York da geht's erst so bei tausend zweihundertsechzig Dollar los.

00:04:56: Ja, aber heute soll es ja eigentlich gar nicht um dieses Hotel gehen und auch nicht um den Vorgänger das ursprüngliche Waldorf-Historia.

00:05:03: Genau!

00:05:03: Denn das Hotel haben die Nachfahren von Johann Jacob Astor gebaut – und heute geht's hier um ihn?

00:05:08: Also beginnen wir wieder ganz von vorne.

00:05:10: Johann Jakob Astor wird am siebzehnten Juli-Sebzehnhundertsechzig in Waldorf geboren.

00:05:16: Mehr als zweihundertzechzig Jahre ist das also her.

00:05:18: Und Waldorf, das kennt man als aufmerksamer Vivo-Leser.

00:05:22: Hier sitzt nämlich SAP.

00:05:23: Wir haben ja nur aufmerksamere Leserinnen oder Leser.

00:05:26: Also Astor ist das sechste Kind seiner Eltern, seine Mutter verstirbt allerdings nicht mal ein Jahr nach seiner Geburt.

00:05:32: Waldorf ist damals so würden wir das wahrscheinlich heute sagen im totales Kaff mit wenigen Hundert Häusern.

00:05:38: für damalige Verhältnisse ist Waldorf aber schon ziemlich großes Dorf und einzig und allein auf die Landwirtschaft ausgerichtet.

00:05:45: der Vater von Johann Jakob ist Metzger

00:05:47: Ja, aber jetzt nicht so mit einem eigenen Laden und einer frischen Theke sondern erschlachtet eben bei Bedarf fährt also herum und erledigt die Arbeit auf den Höfen der Nachbarn.

00:05:57: Das bedeutet das gerade vor so großen Feierlichkeiten wenn man dann auch mal Fleisch ist super viel zu tun ist und sonst eigentlich eher weniger ein total volatiles Geschäft.

00:06:06: Und da es damals auch keine Schulpflicht gibt, hilft Johann Jacob häufig seinem Vater wenn mal wieder besonders viel los ist.

00:06:11: Ja und die beiden ältesten Brüder Heinrich und Georg Peter wandern beide aus als Johan Jakob noch recht jung ist.

00:06:18: also Heinrich segelt siebzehnhundertfünfeinzig Richtung Nordamerika um sich im Unabhängigkeitskrieg Großbritannien anzuschließen.

00:06:25: Georg Peter der segelt nicht ganz so weit weg aber schafft immerhin bis nach London und ist dort Instrumentenbauer.

00:06:31: Ein anderer Bruder, den gibt's auch noch.

00:06:33: Melchor macht sich im Nachbarsort selbstständig.

00:06:36: Auch als Metzger oder aber als Landwirt sind die Quellen nicht so einig.

00:06:40: Also seine Brüder sind weg und die Mutter verstorben?

00:06:43: Das muss ihnen doch geprägt haben, haben wir uns gedacht!

00:06:46: Genau, das habe ich auch Alexander Emmerich gefragt.

00:06:49: Der hat damals als Doktorarbeit an der Uni in Heidelberg eine Biografie über Estor verfasst und hat die später auch als Buch rausgebracht.

00:06:56: Er hatte also etliche Briefe, Dokumente, Zeitungsartikel in Archiven in den USA und auch hierzulande ausgewertet.

00:07:03: Mit ihm habe ich mich in Walloff getroffen.

00:07:04: da können wir mal reinhören.

00:07:07: Ich denke er ist über die ersten zehn Lebensjahre von starken Verlusten geprägt worden was sich ja auch Verluste Ängste ausgelöst hat.

00:07:16: Was bin kein Psychologe, aber ich kann mir vorstellen dass es eben auch dazu geführt hat das er relativ Emotionslos agiert hat oder seine Emotion nicht geteilt hat.

00:07:26: Das zeigen auch die Briefe.

00:07:28: also ist einfach eine sehr sehr sachliche Person gewesen und Ich denke diese Sachlichkeit hat ihm auch bei seinen Geschäften sehr geholfen.

00:07:38: Ich würde ihn als zahlenmensch beschreiben.

00:07:41: Also die meisten briefe sind voll bezahlen.

00:07:44: Und heutzutage würde man sagen, er ist eher der Typ

00:07:47: Exel.".

00:07:49: Ja und es ist gut möglich dass diese nüchterne Art Johann Jakob Astor bei einer wichtigen Entscheidung hilft die er dann, in den vergangenen Jahrhundert neunundsiebzig trifft?

00:07:57: Genau!

00:07:58: Sein Vater hätte sicher gerne gesehen wenn er einfach im Waldorf geblieben wäre um ihm dann auch weiterhin bei der Arbeit als Metzger zur Hand zu gehen.

00:08:05: aber Johann Jakop verlässt Waldorf unter Eifert seinem großen Bruder Georg Peter nach.

00:08:10: Er geht nach Großbritannien um bei ihm im Instrumentenbau zu arbeiten

00:08:13: Und das ist damals quasi in der Entscheidung für immer.

00:08:16: Man muss sich klarmachen, wie beschwerlich und auch lebensgefährlich es im achtzehnten Jahrhundert ist zu reisen – auch wenn es nur über den Ärmelkanal geht wie ein Estausfall!

00:08:25: Das darf man nicht vergessen, er ist gerade erst mal sechszehn Jahre alt.

00:08:29: Ja, wir hatten das ja schon gesagt.

00:08:30: Die Astos sind damals keine superreichen Großgrundbesitzer.

00:08:33: Johann Jakob muss sich die Überfahrt also erstmal verdienen.

00:08:36: Er heuert dann bei Flößern an, gelangt mit denen recht fix all'niederländische Küste und verliehnt auf dem Weg dahin das Geld, mit dem er sich einen Platz an Bord des Schiffes sichert, dass ihn nach London bringt.

00:08:46: Ja, kommt also dann da an und stellt direkt fest Georg Peter hat es sich umbenannt – und zwar in George!

00:08:52: Ja klingt ehrlicherweise auch viel cooler.

00:08:54: Und was er noch feststellt, London ist zu der Zeit der Nabel der westlichen Welt.

00:08:58: Das wirtschaftliche Zentrum.

00:09:00: Hier leben schon fast achthunderttausend Menschen eine... Unfassbar laute, enge und auch dreckige Stadt.

00:09:06: Ja also es muss ehrlicherweise der totale Kulturschock gewesen sein für so einen armen Metzgassohn aus dem kleinen Städtchen Waldorf?

00:09:12: Ja das denke ich auch!

00:09:13: Und hier in dieser riesigen Stadt betreiben seinen Bruder George und Johann Jakob bald zusammen in der Witch Street-Street' ein Instrumentenladen wo sie Flöten und Klarinetten bauen und an wohlhabende Menschen verkaufen.

00:09:26: Und die Witch Street, die gibt's heute gar nicht mehr.

00:09:29: Ich hab mal versucht herauszufinden wo die heute so liegen würde und das wäre ungefähr in der City of Westminster in der passender Weise genannt All-Witch Street.

00:09:37: Jetzt wird es ein bisschen verrückt.

00:09:38: Das ist kein Scherz!

00:09:41: Anfang des Jahres war ich für ein Fußballspiel meines Lieblingsvereins Borussia Dortmund in London und lauf so mit einem Freund nach dem Frühstück, ohne zu wissen das hier mal der Instrumentenladen war über eben diese Allwood Street.

00:09:52: Ich spreche mit dem Freund darüber dass ich diesen Podcast hier recherchiere und lese dann den Namen eines Hotels was dort steht Das Wald of Hotel wenn das mal nicht ein Zufall ist.

00:10:00: Ja, ehrlich gesagt würde ich erst jetzt auch nicht so richtig glauben, wenn ich dich nicht kennen würde.

00:10:04: Stimmt aber wirklich!

00:10:05: Ich schwöre... Gebaut hat das Hotel übrigens Johann Jacobs' Ur-Enkel William Waldorf Aster der auch unter dem ersten Waldorf Astoria in New York steckt

00:10:13: Und da wo du lang geschlendert bist, also wo heute das Waldorf Hotel steht.

00:10:18: Da arbeiten George und Johann Jakob fast zweihundertfünfzig Jahre früher als in ihrem Instrumentenladen.

00:10:24: George baut die Instrumente.

00:10:25: Johan Jakob oder John Jacob wie er sich jetzt nennt verkauft sie im Laden.

00:10:29: so ist die Aufteilung.

00:10:30: Er lernt also Preisverhandlungen Buchhaltungen Kundenkontakt alles Dinge von denen er noch lange profitieren wird in seiner Karriere.

00:10:38: Genau!

00:10:38: Wie diese Karrierei weitergeht, das hören wir uns mal.

00:10:41: an

00:10:50: Hafen von Southampton, November, seventeenhundertdreiundachtzig.

00:10:55: Das Segelschiff North Carolina legt am Pier.

00:10:59: Sein Ziel?

00:11:00: Baltimore!

00:11:02: Noch immer hängt eine dicke, schwefelhaltige Nebelschicht über dem Süden

00:11:06: Englans.

00:11:07: Vor einigen Monaten war der isländische Vulkan Laki ausgebrochen und bestimmt bis heute das Wetter geschehen.

00:11:15: Der Sommer war extrem heiß – der Winter nun besonders grau.

00:11:20: mit gefährlichen Stürmen und eisigen Temperaturen.

00:11:24: Die Bedingungen für die Überfahrt sind mehr als schlecht, und trotzdem soll sie stattfinden.

00:11:30: Als John Jacob Aster, die North Carolina betritt, hat er Flöten- und Klarinetten im Gepäck.

00:11:38: Es sind Musterinstrumente, die er in den Vereinigten Staaten von Amerika zum Verkauf anbieten will.

00:11:44: Aster versucht herauszufinden ob bei der New Yorker Oberschicht Interesse an Instrumenten aus deutscher Handarbeit besteht.

00:11:53: Dafür, so sein Plan will er von Baltimore weiter ins Zweihundertsiebzig Kilometer entfernte New York ziehen.

00:12:02: Der Winter mit seinen heftigen Winden und Unwettern macht die Überfahrt zum halsbrecherischen Abenteuer.

00:12:09: Fünf Monate sind bereits vergangen als das Schiff kurz vor Baltimore vom Eis eingeschlossen wird.

00:12:17: Die Küste ist zwar in Sichtweite, doch die North Carolina kann weder vor noch zurück.

00:12:24: Esther und alle anderen Reisenden sind dem Ziel so nahe ... Und doch scheint es als könnten sie es nicht erreichen.

00:12:33: Sie sind gezwungen auszuharren und darauf zu hoffen dass das Eis das Schiff wieder frei gibt.

00:12:39: Nach einigen Tagen entschließen sich erste Passagiere von Bord zu gehen.

00:12:44: Sie

00:12:44: wollen den riskanten Weg zu Fuß über die zugefrorene See nehmen, um die Küste zu erreichen.

00:13:01: Esther hart weiter aus!

00:13:04: Er lernt einen Deutschamerikaner kennen, der ihm begeistert vom Pelzhandel erzählt.

00:13:10: Er sei schon in den Vereinigten Staaten gewesen und habe in Europa nun Pelze verkauft, erzählt er.

00:13:16: Er habe sie den Ureinwohnern abgekauft.

00:13:19: Wäre das nicht auch etwas für Esther?

00:13:23: Irgendwann, mit weiteren Tagen des Wartens, wagt auch Esther den Weg über das Eis.

00:13:29: Es ist eine äußerst gefährliche Angelegenheit!

00:13:32: Die Eisschicht ist so dünn, dass sie immer wieder bricht.

00:13:36: Nur die Fußstapfen der ersten Gruppe geben Orientierung.

00:13:41: Im März, schließlich bei nahe ein halbes Jahr nach der Abfahrt in Southampton setzt Esther zum ersten Mal einen Fuß auf dem amerikanischen Kontinent Mit seinen Flöten im Gepäck.

00:13:55: Und womöglich mit dem Gedanken an Pelze und das große Geld im

00:14:00: Kopf.".

00:14:03: Jetzt kann man sich ja fragen, warum geht Esther überhaupt in die USA?

00:14:07: Wir hatten ja gerade selbst gesagt dass London zu der Zeit eigentlich das wirtschaftliche Zentrum der westlichen Welt ist.

00:14:13: Wer doch eigentlich viel einfacher dazu bleiben!

00:14:16: Das wäre es ganz bestimmt gewesen, aber er muss einfach Potenzial in den USA gesehen haben.

00:14:21: Dafür spricht unter anderem das er sein Ticket für die Überfahrt sofort nach Ende des Unabhängigkeitskriegs bucht?

00:14:26: Ja ist gut möglich dass es eben vor allem der Reiz des Unbekannten und des Neuen ist dem die USA nach dem Krieg und der Unabhängigkeit jetzt bieten.

00:14:34: Wobei New York damals natürlich noch komplett anders aussieht als heute.

00:14:38: Es hat nämlich überhaupt nichts mit dieser Wolken-Kratzermetropole zu tun wie wir heute kennen.

00:14:42: Das hat mir unter anderem Dale Norwood verraten.

00:14:44: Der ist Historiker an der Universität von Delaware und forst dort zur Geschichte US-amerikanischer Politik und Wirtschaft.

00:14:51: New York ist Ende des achtzehnten Jahrhunderts eher provinziell geprägt, sagte er.

00:14:55: Kultur und Wirtschaft sind damals noch eher in Philadelphia erfahren gehabt.

00:14:58: Aber in New York herrscht auch Aufbruchsstimmung – im Krieg war die Stadt besetzt von den Briten!

00:15:03: Genau.

00:15:04: Aber jetzt, so sagt das unter anderem Norwood, entsteht dann eine ganz neue Generation von Unternehmern.

00:15:08: Die versucht die Vorteile der Unabhängigkeit zu nutzen und neue globale Handelsnetzwerke aufzubauen.

00:15:14: Es

00:15:14: hat auf jeden Fall einen Vorteil gegenüber vielen anderen Einwanderern.

00:15:18: in London hatte er englisch und all die kaufmännischen Fähigkeiten gelernt.

00:15:22: Und zur Wahrheit gehört ja auch... nicht mittellos nach New York.

00:15:25: Er hat ja in London schon Geld verdient und es hat auch Alexander Emmerich bei unserem Interview in Waldorf noch mal ganz schön gesagt, er meinte London war für Esther so etwas wie ein Katalysator um mit all den Fähigkeiten die er dort gelernt hat dann in Amerika so richtig

00:15:37: durchzustarten.".

00:15:38: Obwohl das auch oft anders dargestellt wird dass er mit fast nichts außer Sieben Flöten in die USA kommt.

00:15:45: Es gibt aber noch ganz andere seltsamere Anekdoten oder sagen wir eher Legenden über ihn, aber dazu kommen wir später.

00:15:52: Esther trifft jetzt in New York sein Bruder Heinrich bzw.

00:15:54: auch der hat sich umberannt in Henry und übernimmt die erste Zeit lang so ein paar Gelegenheitsjobs.

00:15:59: Er soll auch in einem Pelzladen gearbeitet haben.

00:16:01: das passt natürlich gut in die Geschichte.

00:16:03: ob das wirklich stimmt ist ein bisschen umstritten

00:16:05: Was aber auf jeden Fall stimmt.

00:16:07: irgendwann treffen dann auch die Instrumentenlieferungen von George aus England ein.

00:16:12: Um die jetzt an die New Yorker Oberschicht zu bringen, schaltet er Anzeigen im New-York Packet einer bedeutenden Zeitung damals.

00:16:18: Am Zweiundzwanzigsten Mai, Seventeenhundertsextenachzig erscheint dort zum Beispiel diese Anzeige.

00:16:24: Jacob Aster, Queen Street Number Eighty One hat gerade aus London eine elegante Auswahl an Musikinstrumenten importiert darunter Klaviere Spinnette Gitarren Die besten Violinen Deutsche Flöten Klarinetten Obon Pfeifen, die besten römischen Violin-Seiten und alle anderen Arten von Seiten.

00:16:44: Notenbücher und Notenpapier sowie alle anderen Artikel aus dem Musikbereich, die er zu sehr günstigen Konditionen gegen Barzahlung

00:16:53: verkauft.".

00:16:54: Ja das ist ehrlicherweise total smart auch aus heutiger Sicht.

00:16:56: also er verkauft zum einen die Instrumente aber auch Noten papieren dass die Leute ja immer wieder kaufen müssen so was wie ein frühzeitiges Abomodell würde ich mal sagen.

00:17:05: Ja, und die Queen Street Nummer eighty spielt auch eine wichtige Rolle.

00:17:09: Das Haus hat nämlich seine Frau Sarah Todd mit in die Ehe gebracht.

00:17:12: Die hatte er kurz zuvor kennengelernt.

00:17:14: Und die kommt aus einem ziemlich guten Elternhaus zwischen ihr und John Jacob.

00:17:18: Funk ist recht schnell verliebt, verlobt und dann im September siebzehn fünf achtzig auch verheiratet.

00:17:23: Und der Ehe mit Sarah ist für John Jacob jetzt wirklich der Einstieg in die New Yorker Oberschicht.

00:17:29: Sarah ist nämlich super vernetzt.

00:17:30: Ihr Bruder ist Kapitän, ihre Neffe war im Seehandel tätig.

00:17:34: Es knüpft also wichtige Kontakte und davon profitiert auch sein Geschäft, der Handeln mit den Instrumenten läuft.

00:17:40: Und die Instrumente sind übrigens richtig schön – auch wenn ich jetzt nicht der größte Instrument in Kanada der damaligen Zeit bin!

00:17:45: Aber als ich in Walloff war habe ich mich mit Alexander Emmerich im Astorhaus getroffen, in der Johann-Jacob Astor Straße siebenunddreißig.

00:17:52: Das Haus hat die Stadt erbauen lassen, als Astor Wallorf nach seinem Tod fünfzigtausend Dollar hinterlassen hatte….

00:17:58: diente jetzt super lange als ein Arm- und auch Weisenhaus, ist ein echt großes Haus mit schönem roten Klinker.

00:18:04: Davor steht eine Büste von einem etwas grimmig dreinschauenden Johann Jacob Astor – heute ist da ein Standesamt drinnen Kindergarten und Museum das der Verein Heimatfreunde Waldorf betreibt!

00:18:15: Der erste Vorsitzende des Vereins Klaus Engwicht war auch bei dem Termin dabei.

00:18:19: Ja, und da gibt es das sogenannte Astor-Zimmer hast du mir erzählt?

00:18:22: Genau!

00:18:22: Das ist ein kleiner Raum erstmal aber ziemlich hübsch eingerichtet.

00:18:26: hier stehen und hängen allerhand Dinge die Astors Leben beschreiben.

00:18:29: Ein riesiger und echt weit verzweigter Stammbaum zum Beispiel, ein Bild seines vermutlichem Geburtshauses und gemalte Porträtes seines Vaters und dessen neuer Frau.

00:18:38: Die sahen ehrlicherweise ein bisschen creepy aus.

00:18:40: Wieso?

00:18:41: Der

00:18:41: Vater guckt ja irgendwie total grimmig, der raucht Pfeife und vor ihm liegt dann so eine gute Hand voll toter Vögel.

00:18:46: Wir haben Metzgehalt irgendwie... Und dort sind aber in diesem Raum auch die Instrumente, die George in London gefertigt hat!

00:18:53: Flöten, Obon, Klarinetten und echt ein super schönes Klavier aus so hellem Holz mit dem Emblem von G. Aster & Co.

00:19:00: London das auch gut als Deko in meiner Wohnung passen würde.

00:19:03: so als Hinweis.

00:19:04: Es ist vermutlich ein bisschen zu teuer aber ich schau mal ob wir euch das nicht zur Hochzeit schenken können.

00:19:09: Funktionieren die Instrumente eigentlich noch?

00:19:11: Die werden zumindest immer mal wieder bespielt und Klaus Engwicht hat mir beim Termin verraten, dass die Musiker, die sie dann benutzen, immer total begeistert sein wie gut die Instrumente für ihr Alter was hier wirklich sehr hoch ist noch klingen.

00:19:22: Ja die sind ja auch wirklich schon sehr alt Denn wir kehren zurück ins XVIII.

00:19:26: Jahrhundert, Esther will jetzt mehr erreichen.

00:19:28: durch das Gespräch mit dem jungen Deutschamerikaner über die Pelze auf der Überfahrt muss ihn der Gedanke irgendwie nicht loslassen Er will in dieses Geschäft einsteigen

00:19:38: Und das tut er auch In einer weiteren Anzeige im New York Packet.

00:19:41: drei Jahre nach dieser ersten Instrumenten-Anzeige, die wir gerade gehört haben findet sich dort jetzt auch der Hinweis

00:19:46: Jacob Esther zahlt Bar für alle Arten von Pelzen und verkauft eine Menge kanadischer Biberpelze, Waschbärfälle und Waschberdecken, Bisamratenfälle usw.

00:19:58: Also Esther nutzt jetzt diese Mittel die er im Handel mit den Instrumenten verdient hat um sich in dem Pelzhandel fortzuwagen Und man muss ja bemerken nach den Instrumen sind das schon wieder Luxusgüter die ihr anbietet.

00:20:09: Aber er wagt sich da auch in ein ziemlich schwieriges Feld vor.

00:20:12: Der Pelzhandel ist nämlich fest in der Hand von britischen Handelsgesellschaften in Kanada und dazu kommt, dass der Handel extrem reglementiert

00:20:22: ist.

00:20:22: Esther nutzt jetzt in der ersten Zeit Kontakte zu Ureinwohnern in Amerika um Waren gegen Pälze zu kaufen und die Pälzel verkauft er dann weiter.

00:20:30: aber das eigentliche Zentrum dieses Pelz-Handels ist damals Montreal Und schon bald steuert Esther sein Handel im Sommer von hier aus, im Winter dann von New York.

00:20:39: Das liegt ja noch verhältnismäßig nah

00:20:40: beieinander.".

00:20:41: Das Problem ist nur britische Gesetze untersagen den Handel zwischen den USA und Kanada das ja immer noch britische Kolonie ist.

00:20:49: Will Esther seine Pelze also in New York City an Huthersteller verkaufen?

00:20:53: Muss er sie theoretisch erst nach London verschiffen um sie dort verzollen zu lassen und dann wieder zurück in die USA zu bringen?

00:21:00: ihre Umständlich-Also und damit eben auch super teuer!

00:21:03: Astor verkauft seine Pelze aber auch in Europa, wo er Beziehungen zu Händlern unterhält und wo seine Pelzen auch auf Messen oder bei Auktionen ausgestellt werden.

00:21:11: Das Geschäft läuft jetzt so vor sich hin und lohnt sich für Astor finanziell auf jeden Fall

00:21:15: schon.".

00:21:15: Aber wir kennen das ja jetzt schon ein bisschen – irgendwann will der auch hier wieder mehr!

00:21:19: Und Dale Norwood, der Forscher von den USA hat mich hier auf einem recht spannenden Zufall aufmerksam gemacht, der mir ehrlicherweise gar nicht bewusst war … In dem Jahr in dem Astor an den USA ankommt….

00:21:29: Also, siebzehn vierundachtzig.

00:21:31: Da passiert noch etwas.

00:21:32: Ausgerechnet an dem Geburtstag von George Washington segelt das erste amerikanische Schiff nach China – genauer gesagt nach Kanton die Stadt, die wir heute als Guangzhou kennen.

00:21:41: Mehr als ein Jahr später kommt The Empress of China wieder in den USA an mit vielen chinesischen Waren an Bord und es heißt dass George Washington sich chinesisches Porzellan gekauft hat.

00:21:52: Das ist damals so wirklich der Startschuss für den Handel der USA mit China Und in denen steigt jetzt auch Esther ein und es soll sein lukrativster Handelszweig werden.

00:22:01: Aber er ist so überstützt.

00:22:03: nichts, der beteiligt sich Anfang den siebzenhundertneunzigerjahren erst mal finanziell an einzelnen Unternehmungen.

00:22:08: Denn – so hat das mir auch Dale Nowatt erklärt – jede Fahrt nach China ist damals ein eigenständiges und echt gefährliches

00:22:14: Abenteuer.".

00:22:15: Und die Fahrten sind Gemeinschaftsunternehmen, niemand finanziert sie allein.

00:22:19: dafür fehlt das Kapital und man will auch die Risiken teilen!

00:22:23: Ja, es ergibt ja auch Sinn.

00:22:24: Wenn so ein Schiff singt oder die Preise schlecht sind, verlebt man nur seinen Anteil – aber nicht alles!

00:22:28: Das ist ein uraltes Prinzip des internationalen

00:22:30: Handels.".

00:22:31: Eine typische Unternehmung dieser Art besteht aus zwei- oder drei Kaufleuten, die gemeinsam einen Schiff besitzen und Chartern die Ladung finanzieren den Kapitänen wählen und jemandem einsetzen, der den Handel vor Ort abwickelt.

00:22:44: Nach einem bis zwei Jahren Reise wird der Gewinn anteilig verteilt.

00:22:48: Ape-Siebzehnhundertsechsundneunzig engagiert sich Esther dann immer stärker in diesem Chinahandel.

00:22:52: Er mietet erst Frachtraum auf den Schiffen an und wird dann im Jahr eighteenhundertdrei Hauptbesitzer des Schiffs Severn, an dessen Reisen hat er sich vorher schon beteiligt.

00:23:00: Esther schickt Pelze nach Kanton, verkauft sie dazu enorm hohen Preisen und transportiert auf dem Rückweg dann Güter wie Tee und Seide die er in den USA verkauft.

00:23:10: Es läuft also richtig gut für ihn.

00:23:12: Doch schon ein paar Jahre später bedroht einen Vorhaben der eigenen Regierung Esthers Geschäfte.

00:23:19: Donnerstag, siebzehnte Dezember, achtzehnhundertsieben.

00:23:24: Thomas Jefferson grübelt über einem Blatt Papier.

00:23:27: Der US-Präsident stört sich an den ständigen Grenzüberschreitungen der Briten und Franzosen.

00:23:34: Immer wieder kapern Sie amerikanische Schiffe – nur was kann Jefferson schon tun?

00:23:40: Militärisch können es die USA niemals mit den beiden Mächten aufnehmen, das weiß er!

00:23:46: Auf dem Papier hält er seine Gedanken fest.

00:23:50: Wenn wir unsere Schiffe, ihre Ladungen und Besatzungen beim Verlassen unserer Häfen mit Sicherheit verlieren ... Ist es dann nicht besser Sie zu Hause zu behalten?

00:24:02: Dies wird der Weisheit des Kongresses überlassen, der allein befugt ist, Abhilfe zu schaffen!

00:24:09: Aus diesem Gedanken wird bald ein Gesetz – Der Embargo Act der jeglichen internationalen Handel untersagt.

00:24:18: Und, der mit einem Schlag die Geschäfte von Esther lahmlegt.

00:24:22: Zwanzig erfolgreiche Jahre im Instrumentenhandel einfach vorbei!

00:24:27: Das Schiff Biva eigens gebaut für den Handel jenseits des Pazifiks das Esther gerade erst gekauft hat?

00:24:35: Überflüssig.

00:24:36: Viele andere Geschäftsleute wären nun sicherlich verzweifelt und hätten aufgegeben – nicht aber Esther.

00:24:44: Er

00:24:44: plant eine Intrige, bei der er den Präsidenten ärglistisch täuscht.

00:24:49: So behaupten es zumindest seine Kritiker.

00:24:52: Für sie ist klar – Esther bringt Pun Kua Wing Chong einen Ladenbesitzer dazu sich als angesehenen Kaufmann und Würdenträger Chinas mit besten Kontakten in der Politik auszugeben.

00:25:05: Er müsse wegen einer Beerdigung nach China reisen.

00:25:09: Samuel Mitchell, ein Mitglied des Senats verfasst am zwölften Juli, dann in Brief an Präsident Jefferson.

00:25:18: Punquois Wingchong möchte nach Kanton zurückkehren wo die Angelegenheiten seiner Familie und insbesondere die Beisetzung seines Großvaters seine ungeteilte Aufmerksamkeit erfordern.

00:25:30: Dieser Mann wird mir als ein Mann von Ansehen und gutem Ruf in seinem eigenen Land beschrieben, hat daher Anspruch auf entsprechende Achtung und Behandlung.

00:25:41: Und Thomas Jefferson schöpft keinen Verdacht!

00:25:44: Er schreibt seinem Finanzminister Albert Gelten ... Die Abreise dieser Person mit guten Absichten könnte dazu beitragen unser Land bei den Machthabern in China denen Informationen sonst nur schwer zu vermitteln sind in einem vorteilhaften Licht erscheinen zu lassen.

00:26:03: Dies könnte für unsere Kaufleute in diesem Land von erheblichem Vorteil sein, ich bin daher der Meinung dass ihm gestattet werden sollte ein Schiff zu chartern und Wing Chong wählt natürlich Esters Schiff die Biva um nach China zu gelangen.

00:26:20: Esters Konkurrenten sind außer sicher zu hören das trotz des Embargos ein Schifffrichtung China segelt.

00:26:27: Durch einen anonymen Brief vores New York kommt Präsident Jefferson nun aber ins Grübeln.

00:26:34: Ist Wing Chun wirklich ein hoch angesehener Kaufmann?

00:26:38: Ja, sogar Teil der chinesischen Verwaltung!

00:26:41: In dem Schreiben wird behauptet das sei eine Lüge.

00:26:45: Jefferson wendet sich am XXIII.

00:26:48: August wieder an Gallatin.

00:26:50: Wenn das Schiff noch nicht abgefahren ist sollte es zurückgehalten werden bis die in diesem Brief genannten Tatsachen untersucht worden sind.

00:26:59: Doch es ist zu spät, Die Biva isst schon voll beladen auf dem Weg nach China und wird mit einer Ladung im Wert von zweihunderttausend Dollar in die USA

00:27:11: zurückkehren.".

00:27:15: Ja das ist wirklich dreist oder wirklich genial?

00:27:18: Oder vielleicht auch beides?

00:27:20: Ja muss man tatsächlich so sagen.

00:27:21: Es ist ja ehrlicherweise relativ wahrscheinlich dass Esther das selbst inszeniert hat Und er spielt da so ein bisschen mit dem guten Standing, dass er in der Politik besitzt.

00:27:28: Zum Beispiel beim Präsidenten Thomas Jefferson.

00:27:31: Sie schreiben sich Anfang-Achzehnhundertacht Briefe als sie sich noch nicht persönlich kennen, grüßen sich da aber schon mit höchstem Respekt.

00:27:39: und Daniel D Tomkins damals Governor von New York.

00:27:42: Der beschreibt Esther gegenüber den Präsidenten als Gentleman von großer Rechtschaffenheit und Ehrbarkeit.

00:27:48: Na ja, so recht schaffen und ehrbar war diese Aktion jetzt nicht.

00:27:52: Du hast ja auch Alexander Emmerich gefragt wie dreist oder eben genial eher das fand?

00:27:57: Hören wir doch da mal

00:27:57: rein!

00:27:59: Ich glaube in der damaligen Zeit war es etwas Unfassbares bis Unerhörtes.

00:28:05: ich glaube nicht dass man sich oder dass man überhaupt ein so hohes Risiko eingegangen wäre ein Schiff dafür zu verwenden weil Hätte das Schiff eine Blockade gekommen, wäre es untergegangen und zerstört worden, wären die finanziellen Verluste enorm hoch gewesen.

00:28:21: Aber es zeigt einfach diese Risikopereitschaft und auch die Cleverness vielleicht den Übermut Dinge zu

00:28:29: tun.".

00:28:31: Also er geht ein hohes Risiko ein und da sieht man wie wichtig der China-Handel war?

00:28:35: Ja

00:28:36: absolut!

00:28:36: Man kann in Büchern lesen dass es der China Handel ist, der ihn zur Millionär macht zum vielleicht ersten Millionär der USA lange bevor dieses Wort Millionär überhaupt geläufig war.

00:28:46: In den frühen Jahren des neunzehnten Jahrhunderts sollen erst das Schiffe T, Seide und Co im Wert von zweihundertfünfzigtausend Dollar zurück in die USA bringen – pro Fahrt übrigens!

00:28:56: Das sind heute ungefähr sieben Millionen Dollar.

00:28:58: Nur mal ein paar Beispiele von der Frachtliste einer China-Reise.

00:29:02: Da bringt erst aus Schiff die Biva, zwei-tausend zweihundertundfünfzig Kisten grünen Tee zurück in die USA.

00:29:09: Das Gewicht an der Kiste fängt nach Angaben von Historikern bei etwa hundertdreißig Kilo an Dann noch neunhundertundvierzig Kisten schwarzen Tee und knapp neun Ton chinesisches Porzellan.

00:29:21: Ja

00:29:22: und man hört es ja schon.

00:29:22: das ist eine riesige Sache damals.

00:29:25: Und eben dieser Handel ist jetzt von heute auf morgen einfach nicht mehr möglich.

00:29:28: Und Esther?

00:29:29: Der

00:29:29: handelt abgesehen vom wegen Chongxiao-Spiel relativ pragmatisch, erwendet sich erst mal wieder dem inneramerikanischen Pelzhandel zu

00:29:37: und nutzt die fetten Gewinner aus dem China-Handel um jetzt im großen Stil ins Immobiliengeschäft einzusteigen.

00:29:43: Seinen ersten Kauf tätigt er schon viel früher, in den letzten Jahren.

00:29:47: Da kauft er seinem Bruder Henry Grundstücke in New York ab – aber so richtig legt er erst später los!

00:29:53: Er muss – da sind sich Historiker recht sicher – das unglaubliche Prädenzial von New York erkennen und kauft innerhalb von etwa zwanzig Jahren Grundstücken für rund siebenhunderttausend Dollar auf Manhattan vor allem Farmland oder Sumpfgebiet.

00:30:07: Seine Theorie wird bald besiedelt wenn die Stadt weiter so rasant wächst.

00:30:11: Und mit einem Immobilienkauf festigt er auch seine Position in dieser New Yorker Oberschicht, die den Luxusjahr so sehr liebt.

00:30:18: Deine Nähe sucht er sowieso schon immer – entweder als Kunden oder Geschäftspartner oder auch als Wegbegleiter aus der Freiemauraloge, in der er Mitglied ist.

00:30:26: Erster kauft das New-Yorker Parktheater, in das er selbst super gerne geht.

00:30:30: für die Shows, kommen Schauspieler aus England eingeflogen und Opernsänger aus Italien.

00:30:36: Aber die Konkurrenz beim Pelzhandel ist immer noch groß, der läuft ja parallel auch weiter.

00:30:41: Ja!

00:30:41: Die größten Konkurrenten sind damals die Northwest Company und die Hudson's Bay Company – beides britische Firmen.

00:30:48: Die Hudson's bay Company gab es übrigens bis Juli-Zwanzig sogar noch.

00:30:52: Und sie war, sechzehntinundzebzig gegründet das älteste Unternehmen Kanadas.

00:30:56: Aber die Handelsbedingungen ändern sich schlagartig, als Thomas Jefferson III den Franzosen Louisiana abkauft.

00:31:03: Und Louisiana ist damals weit mehr als der heutige Bundesstaat.

00:31:06: Das ist ein mehr als zwei Millionen Quadratkilometer großes Land in dem die heutigen Staaten Arkansas, Missouri, Iowa, Oklahoma, Kansas und Nebraska liegen – und das noch durch neun weitere Staaten verläuft.

00:31:19: Einmal längst durch die USA durch!

00:31:22: Und die USA sind damit auf Einschlag doppelt so groß.

00:31:24: Das ist übrigens bis heute der größte Grundstückskauf der

00:31:27: Geschichte.".

00:31:28: Das ist zu dem Zeitpunkt aber noch völlig unerschlossenes Gebiet, bzw.

00:31:32: dort leben ja eigentlich die Ureinwohner.

00:31:34: Jefferson schickt jetzt eine Überlandexpedition los, die das Gebiet einmal bis rüber zum Pazifik erkunden soll und Jefferson schwebt auch vor dass in den Gebieten nur US-amerikanische Händler Geschäfte mit den Ureinnwohnern machen dürfen – das geht aus einem Brief hervor, den er Esther schreibt!

00:31:52: Alles jenseits des Mississippi gehört ausschließlich uns.

00:31:57: Und es liegt in unserer Macht unseren eigenen Händlern gegenüber ihren ausländischen Konkurrenten diesseits des Mississippi große Vorteile zu verschaffen.

00:32:07: Sie können sicher sein, dass alle angemessenen Fördermaßnahmen und Erleichterungen die in der Macht der Exekutive liegen gewährt werden um dieses Geschäft vollständig in die Hände unserer eigenen Bürger zu überführen und ausländische Händler zu verdrängen, die ihre Privilegien missbrauchen indem sie die Indianer zum Krieg gegen uns aufwiegeln.

00:32:30: Ich grüße Sie mit Respekt!

00:32:51: Der gründet sein Unternehmen, die American Fur Company.

00:32:54: Und der Anspruch wird damit ja schon sehr deutlich – Die America Fur Company in Abgrenzung also zur britischen Konkurrenz.

00:33:01: Estor plant ziemlich schnell einen deutlich größeren Coup.

00:33:03: In den letzten Jahren wird der Embargo-Akt zurückgenommen.

00:33:07: Der Handel ist jetzt wieder fast überall möglich außer mit Frankreich und England.

00:33:10: Deshalb stellt Estor den Instrumentenhandel kurzerhand ein!

00:33:13: Aber er kann jetzt eben wieder Pelte nach China schicken, also auch ohne Tricks.

00:33:17: Und dafür will er es so an der Westküste der USA einen Handelsposten errichten um den direkten Weg über den Pazifik nehmen zu können ohne unten um Amerika herumzufahren.

00:33:27: Wir hatten das ja gerade schon kurz gesagt, dass ist damals total unerschlossenes Gebiet und es ist auch gar nicht klar, wem gehört das denn eigentlich?

00:33:33: Also so offiziell als Kolonialgebiet?

00:33:35: die Amerikaner wollen's haben, die Briten, die Spanier sogar die Russen und vor all denen muss man sich erschützen.

00:33:41: Esther weiß auch nicht, wie es da aussieht, wo ein guter Posten wäre.

00:33:44: Nur das ist klar – Das Ziel ist erstmal die Mündung des Columbia Rivers.

00:33:49: Dahin schickt Esther jetzt zwei Expeditionen eine über Wasser und eine über Land.

00:33:53: Er geht also wieder total ins Risiko!

00:33:56: Und dafür tut er sich mit seiner Konkurrenz zusammen.

00:33:58: Mit britisch-kanadischen Pelzhändlern.

00:34:00: Darunter auch drei unzufriedene Mitglieder seines größten Konkurrenten der Northwest Company.

00:34:05: Geschäftsmänner, Kaufleute und Trapper schließen sich im Juni, zur Pacific Fur Company zusammen.

00:34:12: Die Expedition zum Columbia River beginnt – im Juli stattet erst die Überlandmission.

00:34:17: Im September dann das Schiff, die Tonkinn.

00:34:19: Er ist aus Kalkül, er will sicher gehen dass zumindest eine Expedition auch am Ziel

00:34:23: ankommt.".

00:34:24: Die Tonkinnn erreicht in März Origins Küste, die sogenannten Astorianer knüpfen Kontakte zu den Ureinwohnern.

00:34:34: Das ist jetzt erst mal nicht viel mehr als ein Holzhaus und einen Wall aus Holz fehlen.

00:34:38: Und ein Steg, aber Esther hat das einmal wieder geschafft.

00:34:41: er kommt an der Pazifiküste an noch bevor die US-Westexpansion so richtig einsetzt.

00:34:46: Aber man muss sagen so idyllisch bleibt es da nicht lange.

00:34:49: Es geht in kurzer Zeit ziemlich viel schief.

00:34:52: Erst stellt sich einer der Kapitänen weil der Kontaktaufnahme mit den Ureinwohnern so ungeschickt an dass im Streit ausbricht die ureinwohnende Schiff angreifen, ein Feuerausbricht und das Schiff dann sogar versinkt.

00:35:03: Und dann erklärt Präsident Madison England im Sommer, auch noch den Krieg.

00:35:08: Die Briten blockieren Häfen es ist mal wieder kein Handel möglich und dann entsenden die Northwest Company und die Briten ein gut ausgestattetes Kriegsschiff um Estoria einzunehmen.

00:35:18: Und Esther kann nichts tun!

00:35:19: Er fragt Madison, er fragt Jefferson um Hilfe aber...es tut sich nicht.

00:35:24: Und im November, den Kriegsschiff Raccoon kommt am Kulambia River an und übernimmt Astoria kurz vorhanden für die Briten.

00:35:32: Also das war es!

00:35:33: Das Ende von Estos Vision.

00:35:35: Ja und auch im Friedensvertrag, den die USA und die Britien Weihnachten in den letzten Jahren unterschreiben taucht Astoria entgegen Estos Hoffnung eben nicht auf Erwendet sich jetzt wieder dem China-Handel zu erweitert ihn sogar noch massiv und verdient damit weiterhin viel Geld.

00:35:50: soviel wie noch nie.

00:35:52: und er steuert auf seine Routen Richtung Asien jetzt auch Hawaii an, wo er Sandelholz kauft.

00:35:56: Das ist damals in chinesischen Tempeln für die Herstellung von Weihrauch ultra beliebt.

00:36:01: Für den Self-Mate-Man Aster ist der Verlust von Astoria ganz sicher der größte Tiefschlag.

00:36:05: Privat soll diese aber erst noch folgen.

00:36:07: Wahnsinn!

00:36:10: So viel Schnee!

00:36:11: So viele Schnee habe ich noch nie gesehen!

00:36:13: Washington Winter-Achzehnhundertachzehn.

00:36:17: Es ist der Höhepunkt seiner Handelskarriere.

00:36:21: Mit seinem Sohn William Backhaus hat John Jacob Aster einen würdigen Nachfolger und Erben an seiner Seite.

00:36:28: Nun ist er mit seiner Tochter Eliza und seinem siebenjährigen Enkel auf Reisen.

00:36:33: Erst haben Sie Philadelphia besucht, jetzt Waschingen!

00:36:37: Der Winter ist zwar bitterkalt aber doch milder als in den Vorjahren die von extremen Wetterereignissen und Missärmten geprägt waren.

00:36:50: Froren in den USA im Juli und August die Seen- und Flüsse zu.

00:36:55: Nach Jahrzehnten der harten Arbeit, und der Entbehrung kann Esther nun einmal kürzer treten.

00:37:02: Doch zur Ruhe kommt er in Washington nicht – im Gegenteil!

00:37:06: Auf dem Tiber Creek benannt noch dem Römischen Fluss ereignet sich eine Tragödie.

00:37:13: Esther soll eigentlich auf seinen Enkel aufpassen, als dieser sich mit einem älteren Freund davon schleicht um auf dem Eis Schlittschuh zu laufen.

00:37:23: Die Kinder brechen ein und ertrinken.

00:37:30: Esther macht sich Vorwürfe, große

00:37:32: Vorwörfe.

00:37:33: in einen

00:37:33: Brief schreibt er an seinen Freund Albert Gelten.

00:37:37: Mein Enkel war nicht einmal fünf Minuten weg, als ich ihn zu suchen begann.

00:37:41: Aber bevor ich ihn finden konnte, war er schon ertrunken!

00:37:46: Gallipen unterbreitet den Vorschlag, Esther solle doch einmal wieder nach Europa reisen um sich abzulenken.

00:37:53: Den Kopf frei zu bekommen!

00:37:55: Die napoleonischen Kriege sind vorüber.

00:37:57: der Wiener Kongress sorgt erst einmal für Ordnung.

00:38:01: Anfang Juni-Achzehnhundertneunzehn segelt er mit seiner Tochter Eliza von New York aus Gen Europa.

00:38:09: Als sie in Le Havre vom Bord geht betritt er nach vierzig Jahren erstmals wieder europäisches Festland.

00:38:16: Sie besuchen Paris, bestaunen die Bauwerke des antiken Roms.

00:38:21: Reisen hinunter bis nach Neapel genießen ihre Zeit am Genfersee.

00:38:26: Über die Alpen kommen sie auch wieder nach Deutschland wo Esther in Neu-Wied seinen Bruder Melchor trifft.

00:38:34: kaum ist er wieder in Amerika denkt Esther schon wieder an die europäische Ferne.

00:38:40: Ich kann hier meine Zeit nicht anders verbringen als permanent in meiner Geschäftsaktivitäten verstrickt zu sein.

00:38:47: Das wird zunehmend zu einem Problem für mich und verursacht eine Anspannung, die ich gerne vermeiden würde.

00:38:54: In Europa kann ich abschalten und mich

00:38:57: erholen.".

00:39:03: Ja das ist ein Enkelsohn verliert es natürlich furchtbar und man will das natürlich nicht mit dem Verlust von Historia vergleichen Aber es sind für ihn eben zwei Schicksalsschläge hintereinander.

00:39:13: Und das löst einen Sinn des Wandelbaester aus.

00:39:16: Alexander Emmerich, der hat im Interview auch noch mal erzählt wie schwer ist ihm persönlich viel diese Briefe von Esther nach dem Todesenkels zu lesen?

00:39:23: Da schülert er den Vorfall so ein bisschen.

00:39:25: da können wir auch gerne nochmal

00:39:26: reinholen.

00:39:28: Die meisten Briefer die ich kenne die lauten bitte gehen nach Montreal und Kauf dreißig Pelze und bieten denen den Preis an einschneidendes Ereignissen der Familie, dass er in Washington gewaltt hat und ein Enkelkind von ihm eben ins Eis eingebrochen ist beim Spielen.

00:39:50: Und er das nicht verhindern konnte, dass das Kind dann nicht nur eingebrochene sondern eben auch ertrunken und erfroren ist.

00:39:58: Er kann es würde ich sagen nicht wirklich beschreiben und das ist das eigentlich Schreckliche dabei.

00:40:04: Er bleibt wie wir ja eben auch andere Dinge beschreibt bei den Fakten, schildert was passiert ist.

00:40:12: Ich würde sagen man liest durchaus Vorwürfe an sich selbst aber er kann es nicht so schildern wie man vielleicht eine schlechte traurige Nachricht überbringt sondern das ist einfach sehr direkt und deswegen fand ich das zu lesen sehr schrecklich.

00:40:28: Ja das passt ja zudem was Emmerich am Anfang auch schon mal gesagt hat Esser als Zahlenmensch als so ne Art Exeltyp.

00:40:35: Wir haben ja jetzt vor allem über den Geschäftsmann Esther gesprochen und lass uns jetzt noch mal über den privaten John Jacob reden.

00:40:42: Der private John Jacob, der bekommt mit Sarah fünf Kinder.

00:40:45: Magdalene ist die älteste Tochter und trägt den Namen von Esther's Mutter.

00:40:48: Der erste Sohn natürlich John Jacob

00:40:50: Jr.,

00:40:51: der kommt in den Sehntenhundert neunzig zur Welt.

00:40:54: Die hat aber eine Art geistige Beeinträchtigung.

00:40:56: Esther bezeichnet ihn in seinem Testament als Zitat geistig unfähig

00:41:00: Ja, wie man das dann damals eben so ausgedrückt hat.

00:41:03: Und weil er seinem Erstgeboren ihm nicht zutraut sein Nachfolger zu werden wird es William Backhouse Estor, der in die Welt von hier auf die Welt kommt.

00:41:12: Er ist nach Estors Geschäftspartner und Freund William Backhaus benannt.

00:41:16: Und dann geht's da noch Dorothea und Eliza.

00:41:19: Eliza, das ist die jüngste Tochter, geboren in den letzten Jahren.

00:41:22: Die ist ganz klar erstes Lieblingstochter.

00:41:25: Sie begleitet ihn ja auch nach Europa, das haben wir gerade gehört.

00:41:28: Ich habe Alexander Emmerich auch mal gefragt wie erster wohl so als Ehemann oder Großvater war, also so als Familienmensch.

00:41:34: Das konnte der gar nicht beschreiben.

00:41:38: Es gibt kein Dokument von ihm selbst, dass irgendeine Aussage über seine Frau trifft in den ersten ... vier Jahrzehnten in den USA, also vielleicht besser sechzig ist oder so.

00:41:51: Das Frühste was ich gefunden habe war von der Europareise.

00:41:54: als er seiner Tochter schreibt gibt deiner Mutter einen Kuss von mir und das war so das Emotionalste was sich in tausend Briefen finden konnte und zeigt wahrscheinlich auch ein bisschen die Distanz die die beiden zueinander hatten denn er schreibt ihr ja auch nicht direkt sondern es schreibt seine Tochter

00:42:14: Ja, und das ist also so sagt es Emmericher auch überhaupt keine emotionale Ehe wie wir uns sie vielleicht heute vorstellen.

00:42:21: Aber zu der Zeit ist das ja leider häufiger so.

00:42:24: Am ersten Juni, eighteenhundertdreiundzwanzig fahren Eliza und John Jacob – der ist seit mittlerweile sechszig Jahre alt – wieder zurück nach Europa.

00:42:32: Dort kauft Astor jetzt ein Anwesen die Villa Sogi, siebzehnhunderteins erbaut, gelegen auf einem Hügel mit bestem Blick über den Genfasee.

00:42:39: Die Bilder, die ich da gefunden hab zeigen wirklich so ein richtig krasses Haus.

00:42:43: Drei Stockwerke hoch, dicke Marmor-Säulen am Eingang mitten im grünen Park

00:42:47: gelegen.".

00:42:48: Ja und eben dieses Haus schenkt Esther seiner Tochter Eliza als die im Oktober, in der sie einen Schweizer heiratet.

00:42:55: Kann man mal machen als Hochzeitsgeschenk?

00:42:56: Ja

00:42:57: ist ganz standesgemäß!

00:42:58: Er kehrt dann wieder in den USA zurück wird aber zusehends schwächer und zieht sich auch aus vielen Geschäften zurück zum Beispiel aus dem Pelzhandel mit China.

00:43:05: Also dem Geschäftsweig, der ihn ja zum Millionär gemacht hat.

00:43:09: Die Nachfrage nach Pelz ist in China zurückgegangen.

00:43:11: Esther fackert jetzt gar nicht lange und stellt das Geschäft einfach

00:43:14: ein.".

00:43:14: Das

00:43:14: hatten wir bei den Instrumenten auch schon.

00:43:16: wenn er bemerkt dass sich etwas nicht mehr lohnt dann hängt er auch nicht daran.

00:43:20: Er finanziert noch den Bau der Eisenbahn in den USA und reist mit Ende sechzig ein letztes Mal nach Europa.

00:43:27: Jetzt, wo sich Esther das erste Mal so ein bisschen Ruhe gönnt.

00:43:30: Woher er auch Nachfolger gefunden hat?

00:43:32: Da reißen die schlechten Nachrichten nicht ab!

00:43:34: Er ist wieder am Genfersee und hört dort, dass sein Bruder Henry verstorben ist.

00:43:38: Er nimmt der Schiff zurück in den USA nur um vor Ort zu erfahren, dass auch seine Frau Sarah verstorban ist... ...und seine erste Tochter, Magdalene

00:43:44: ebenfalls.".

00:43:45: Ja, und das verändert ihn.

00:44:00: lässt sein Haus zum Broadway abreißen.

00:44:04: All die Nachrichten vom Tod seiner Freunde und Verwandten, vom Ableben seiner Frau Sarah haben nun nachdenklich gestimmt.

00:44:13: Warum sollte er allein in diesem riesigen Haus leben?

00:44:17: Stattdessen schafft der Platz

00:44:19: um

00:44:19: niemand geringerem als sich selbst ein Denkmal zu setzen.

00:44:24: Genau an diesem Ort will er das Beste – Das extravaganteste Hotel der Stadt bauen!

00:44:30: Der pure Luxus.

00:44:36: Die Grundsteinlegung findet am vierten Juli dem Nationalfeiertag der USA statt und wie bei seinen früheren Geschäften greift Esther auch hierauf, bewährt es zurück und verbessert es.

00:44:49: Das Vorbild seines Hotels steht in Boston das berühmte Tremont House, das fünf Jahre zuvor eröffnet wurde.

00:44:58: Esther engagiert als Seja Rogers als Architekten – und das nicht ohne Grund!

00:45:03: Rogers hat bereits das Hotel in Boston gebaut.

00:45:07: Nach zwei Jahren Bordzeit kann Esther feierlich sein Park-Hotel eröffnen, gebaut im griechischen Stil mit hellem Granitstein aus Massachusetts und vier Säulen am Eingang.

00:45:20: Marmor in der Lobby, dunkle Walnussmöbel in den Dreihundertneunzehn.

00:45:25: Das Hotel hat fünf Stockwerke – eins mehr als das Vorbild in Boston!

00:45:30: Esther lässt moderne Gasleuchten verbauen, die von dem Hotel eigenen Gaswerk ausbetrieben werden.

00:45:36: Selbst auf den oberen Etagen gibt es fließend Wasser.

00:45:40: Mit einem neuartigen System wird das nach oben gepumpt.

00:45:44: Esther veranstaltet exklusive Dinner und beherbergt prominente Gäste.

00:45:49: Abraham Lincoln, Andrew Jackson, Nikola Tesla.

00:45:53: Erst als das Hotel wirtschaftlich gut läuft benennt er sein Haus um.

00:46:01: Aus dem Parkhotel wird das

00:46:03: Estherhaus.".

00:46:07: Ja, das klingt ja fast so als hätte er aus dieser Niederlage in Astoria gelernt.

00:46:11: dort war ein großes Projekt mit seinem Namen gescheitert.

00:46:14: jetzt geht er bei dem Hotel auf Nummer sicher und will seinen Namen nur mit Erfolg und Luxus verknüpft sehen.

00:46:20: Und ohnehin macht sich Astor in seinen letzten Lebensjahren viel Gedanken um sein Ansehen und auch um sein Vermächtnis.

00:46:26: Er verbringt die Zeit jetzt zu großen Teilen auf seinem Landsitz, Hellgate.

00:46:29: Es ist ein super luxuriöses Haus wo er mit Freunden Karten spielt und musikalische Abende mit Menschen dieser reichen New Yorker Apaklass veranstaltet.

00:46:37: Es

00:46:37: gibt jetzt erste Artikel auch in denen Astor als geiziger Großkapitalist beschrieben wird was ihm natürlich gar nicht gefällt.

00:46:44: Er tauscht sich auf Hellgate übrigens großartiger Name viel mit dem Schriftsteller Washington Irving aus, dem Erfinder der Kurzgeschichte und einem guten Freund den Astor in Paris kennengelernt hat.

00:46:55: Und der soll jetzt ein Buch über ihn schreiben – Estoria oder Geschichte einer Handelsexplition jenseits der Rocky Mountains?

00:47:04: Das ist natürlich eine komplett positive Darstellung seines Lebens!

00:47:07: Mit der Astor auch das öffentliche Bild von ihm so ein bisschen korrigieren und prägen will.

00:47:11: Man muss sagen es funktioniert auch.

00:47:12: Das Buch verkauft sich nämlich richtig gut

00:47:15: Aber es genügt Esther nicht.

00:47:16: Er möchte auch etwas an New York zurückgeben, die Stadt, die ihm diesen Aufstieg erst ermöglicht hat.

00:47:22: Sein Plan ist folgende – New York fehlt noch eine öffentliche Bibliothek also eine in die jeder rein kann, arm wie reich.

00:47:28: und eben diese Bibliothek will Esther nun stiften The Astor Library.

00:47:32: das ist ein Investment von vierhunderttausend Dollar.

00:47:34: Nur die Eröffnung im Jahr eighteenhundertfünfzig erlebt schon Jacob Estor nicht mehr.

00:47:40: Er stirbt am neunzwanzigsten März, achtzehnhundertvierzig, im Alter von vierundachtzig.

00:47:45: Die Stiftung der Bibliothek reicht aber nicht um ihn als großzügigen Spender zu

00:47:49: gedenken.".

00:47:50: Nee überhaupt nicht!

00:47:51: Es gibt eine regelrechte Hetzjagd in der Presse gegen Estor.

00:47:55: Im Astor-Zimmer in Wallauf hängt zum Beispiel die Titelseite vom New York Herald, vom fünften April, achtzendhundertviehnachzig Und auf dieser Titelseite ist einfach mal S aus komplettes Testament offengelegt.

00:48:05: Das ist so eine riesige Seite, fünf Spalten und der Text seines Testaments!

00:48:09: Ja und da wird gefordert, dass doch die New Yorker von Estos zwanzig Millionen hätten profitieren sollen.

00:48:14: Die Schätzungen was das heute wert wäre, gehen sehr weit auseinander.

00:48:18: Rein auf Basis der Inflationsentwicklung wären es achthundert Millionen Dollar.

00:48:24: andere Schätzung gehen von mehr als einhundert Milliarden aus weil sie Estos Vermögen ins Verhältnis zum Bruttoinlandsprodukt

00:48:31: zu der Zeit setzen

00:48:32: Und die New Yorker wollen so oder so mindestens die Hälfte seines Vermögens.

00:48:36: Das ist natürlich für viele damals Unvorstellbar, wie so eine einzelne Person noch dazu ein deutscher Einwanderer so unglaublich viel Geld besitzen kann.

00:48:45: Und passend dazu kursieren auch ziemlich schnell total wilde Anekdoten.

00:48:48: Das hat mir zu Beginn schon mal angedeutet.

00:48:51: Als Esther bereits bettligrig ist, soll er seine Mitarbeiter gefragt haben ob eine Notleidende Witwe denn schon ihre Miete bezahlt habe und dass diese doch bloß eingetrieben werden solle.

00:49:02: Ja und jemand will auch Esther im amerikanischen Hinterland mit so einem Karren voller Gold gesehen haben der fast im Schlamm versinkend und Esther wollte eben einfach nicht loslassen bis ihm der Schlammen bis zum Hals stand.

00:49:13: Diese Geschichten sind nach Ansicht der Leute mit denen ich gesprochen hab und den Büchern die ich gelesen habe totaler Quatsch.

00:49:19: Aber die sollen dazu beigetragen haben Charles Dickens zu seiner Figur Ebeneezer Scrooge, diesem grießgremigen Geizhals in der Weihnachtsgeschichte zu inspirieren.

00:49:27: Aber man muss das auch mal so sehen viel hat Esther im Vergleich zu seinem sehr großen Vermögen eben nicht gespendet und Erbschaftssteuer war ein Fremdwort.

00:49:36: aber mit seinem Erbe hatte er dazu beigtragen dass die Estos zu einer äußerst Einflussreichen Familien-Dynastie wurden deren Name auch heute noch für krassen Luxus steht.

00:49:46: Und um jetzt mit einem Funfact zu enden, den hat mir Klaus Engwig bei meinem Besuch in Walldorf verraten.

00:49:51: Dort wo eins das Geburtshaus von Johann Jakob Astor stand, da findet sich heute eine Sparkasse!

00:49:56: Ja wir können es auch anders sein.

00:49:57: Danke dir Dominik, das war super spannend.

00:49:59: Danke Diana Wir

00:50:00: hoffen natürlich Ihnen hat diese Folge auch gefallen und bis wir uns in zwei Wochen wieder hören, können Sie gerne einmal schauen was wir als Wirtschaftswoche noch so zu bieten haben.

00:50:09: Sie können die Vivo vier Wochen lang für einen Euro testen.

00:50:12: mehr dazu nochmal in den Shownotes.

00:50:13: Danke und bis bald.

00:50:33: An dieser Folge haben mitgearbeitet...

00:50:34: ...Recherche, Dominik Reintjes.

00:50:36: Skript und Moderation Anna Hünscheidt, Dominic Reintjez.

00:50:40: Sounddesign Florian Pape

00:50:42: Musik Christian Heinemann

00:50:43: Sprecher Thomas Ballou Martin

00:50:45: Weitere Stimmen Jona

00:50:47: Bastjan Lea Bastjan

00:50:49: Stefanie Brinkmann Jana Kastor Leona Dunke Alexander Möte Juliana Reyes Nova

00:50:55: Miriam Schklaar Tim Säcke

00:50:57: Philipp Welter Und Dominik Zubel.

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